"TWO PASSIONS OF THE 20TH CENTURY - FROM EAST AND WEST"

KMD Ruth Forsbach / Germany / - organist, conductor - Kirchenmusikdirektorin der Ev. Stadtkirche Remscheid

Vortrag beim Kolloquium des Forfest-Festivals 2017

am Dienstag, 20.6.2017, 14.30 Uhr

Zwei Passions-Vertonungen des 20./21. Jahrhunderts aus West und Ost:

Henning Frederichs (1936-2003) Die Passionserzählung der Maria Magdalena (1985)

Hans Peter Türk (*1940) Siebenbürgische Passionsmusik zum Karfreitag (2005)

 

1. Kurze Begrüssung und Dank (in Tschechisch)

2. Einführung

Ich möchte Sie heute mit zwei Passions-Vertonungen bekannt machen, die 1985 bzw. 2005 entstanden sind in Deutschland und Siebenbürgen (Rumänien).

Beide Werke wurden in meiner Ev.Stadtkirche Remscheid 2001 und 2014 aufgeführt, daher spreche ich darüber mit dem Wissen der Interpretin. die das auch einstudiert hat.

Zunächst möchte ich Ihnen den jeweiligen Anfang der beiden Passionen vorstellen (CD T.1MM +2             SP.)…..Ich stelle Ihnen nun kurz die beiden Komponisten und den Aufbau der Werke vor:

 

3. Henning Frederichs und die „Passionserzählung der Maria Magdalena“.

Henning Frederichs wurde am 8.5.1936 in Königsberg geboren. Er legte nach dem Krieg in Göttingen das altsprachliche Abitur ab, wurde in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen und studierte zunächst in Hamburg und später in Köln an den Musikhochschulen (Dirigieren, Orgel und Kirchenmusik, Komposition), in Bochum Musikwissenschaft und Theologie.

Entsprechend vielseitig war sein Berufsweg: zunächst als Junger Kapellmeister am Staatstheater Braunschweig. Nach sechs Jahren Tätigkeit als hauptamtlicher Kantor in Bochum wurde er erster Universitätsmusikdirektor der neuen Ruhr-Universität und promovierte dort neben seiner umfangreichen Arbeit zum Dr. phil. (Titel der Dissertation: „Das Verhältnis von Text und Musik in den Brockespassionen Keisers, Händels, Telemanns und Matthesons“, 1974).

1974 ernannte ihn die Westfälische Kirche zum Kirchenmusikdirektor. Bis 1988 leitete er den Wittener Bachchor und führte mit ihm viele große Oratorien auf. 1978 wurde er als Professor für Chorleitung, Dirigieren und Orgelimprovisation an das Institut für Evangelische Kirchenmusik an die Musikhochschule Köln berufen. Dort prägte er bis zu seiner Pensionierung viele Kirchenmusiker/Innen - in den letzten Jahren auch „ökumenisch“, da die evangelische und katholische Abteilung auf seine Anregung hin in diesen Disziplinen zusammengelegt wurde, was sich hervorragend bewährte.

Das kompositorische Schaffen begleitete ihn durch alle Abschnitte seines Berufslebens. So entstand ein umfangreiches und vielseites Werkverzeichnis.

Der Schwerpunkt liegt darin eindeutig auf geistlicher Musik: 3 Oratorien („Petrus“,

„die Passionserzählung der Maria Magdalena“, „Hiob“), die „Missa in pacem deutsch“ (als Auftrag der Ev.Kirche im Rheinland für das Millennium 2000 entstanden), Kantaten, Chormotetten, Orgel- und Solowerke-  Liederzyklen, Kammermusik und Orchesterwerke ergänzen diese Fülle im „weltlichen“ Bereich.

Er selbst war einige Male auch hier in Kromeriz zu Konzerten und Vorträgen.

HF starb am 28.12. 2003 nach kurzer Krankheit in Wuppertal.

 

Die „Passionserzählung der Maria Magdalena“ entstand 1985 als Auftrag der Ev. Kantorei Siegen, Leitung: KMD Almuth Höfker, wo sie am 8.3.1986 uraufgeführt wurde.

 

Diese Passion wird aus der Sicht einer der in den Evangelien genannten Frauen berichtet, die Jesu Leiden, Sterben und seine Auferstehung selbst miterlebten: Maria Magdalena (MM):  Jüngerin Jesu, oft als bekehrte Sünderin oder gar als seine „Lebensgefährtin“ beschrieben.

 

                                                 S.2

Die "Handlung" unseres Passionsoratorium geht dabei von einer Fiktion, aber doch vorstellbaren Situation aus: Eine frühchristliche Gemeinde, irgendwann in den ersten Jahrzehnten der neuen Zeitrechung , begeht das Gedächtnis des Karfreitag. Da die uns heute bekannten Evangelien noch nicht vorliegen, lässt sie sich die Geschehnisse auf Golgatha von einer Augenzeugin berichten, eben von Maria Magdalena. Der lebendige mündliche Bericht hat also die Funktion der heutigen Evangeliumslesung. Natürlich entsprechen die Fakten, die Maria Magdalena zu erzählen weiß, dem, was im Neuen Testament zu lesen ist. Dadurch, dass eine Frau sie schildert, erscheinen sie jedoch in einem anderen Licht.

 

Jeweils eingerahmt und unterbrochen werden Maria Magdalenas Erinnerungen  durch alttestamentliche Zitate des Chores (Luther 1545), gleichsam spontane Reaktionen der Gemeinde darstellend, die bei einzelnen Ereignissen oder auch nur Wörtern vertraute Texte der Heiligen Schrift assoziiert, so wie ja auch die Evangelisten ihren Bericht über das Leben und Leiden Jesu als Erfüllung alttestamentlicher Prophetie verstanden haben und daher immer wieder Bezug auf die Bibel des Alten Bundes nahmen.

 

Die Erzählteile der Passion sind als subjektive, von starker innerer Beteiligung geprägte Berichte anzusehen, nicht aber als dramatische Darstellung des Geschehens. Alle auftretenden Personen werden nur in der Erinnerung Maria Magdalenas lebendig, sie sprechen durch ihren Mund, werden aber von verschiedenen Stimmen gesungen.

 

Gegliedert wird das Passionsoratorium, also das "Gedenken an den Karfreitag", durch die Andeutung der Stundengebete, die sich über den ganzen Tag verteilen. Musikalisch werden sie durch lateinisch gesungene , 12-tönig-"gregorianische" Gesänge der Männerchor-Schola ausgedrückt- lateinisch (hören: Musikbsp.T3). Die Anwendung dieses formalen Mittels erklärt sich aus der merkwürdigen Tatsache, dass schon die Evangelisten in so auffälliger Weise immer wieder Bezug auf die Stunden des Tages nahmen- und dass andererseits die frühchristliche Kirche ihre Bezeichnung der "Horen" aus den Ereignissen der Passionsgeschichte ableitete

 

"Da sie den Lobgesang gesprochen hatten" = "Laudes " = 24 Uhr, später als "Morgenlob" gedeutet.

"Wachet und betet" = "Vigil" = 3 Uhr.

Die drei "Nachtwachen" werden zusammengefaßt zur "Matutin".

"Des Morgens hielten sie Gericht" = "Prim" = 6 Uhr.

"Und es war um die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten" = "Terz" = 9 Uhr.

"Und von der sechsten Stunde an  ward eine Finsternis über das ganze Land bis zur  neunten Stunde" = "Sext" = 12 Uhr und "Non" = 15 Uhr.

"Und am Abend kam Joseph von Arimathia" = "Vesper" = 18 Uhr.

Abschluß des Tages = "Complet" = 21 Uhr. –  Mit Exordium und Conclusio also 9 Teile

 

Diese unerbittlich verrinnende Zeit wird nur in einem einzigen vorreformatorischen Lied "Christus, der uns selig macht" thematisiert, in der langen Geschichte  der Passions-vertonungen hat sie nie eine Rolle gespielt (hören: Musikbeisp. T4 Choral und MM)

Dabei bezieht die Passionserzählung gerade aus dem Kontrast zwischen einer gewissen Gefühllosigkeit der Zeitansage und den uns zutiefst betroffen machenden Geschehnissen eine besondere Spannung.

Ein zweiter, scheinbar ebenso unbeteiligter Beobachter der Ereignisse auf Golgatha ist die

Sonne (sie wird durch das Orgelpedal dargestellt: langsam vom tiefsten zum höchsten

Pedalton aufsteigend und nach Jesu Tod wieder absteigend): Unbeirrbar zieht sie von ihrem Aufgang ("Prim") bis zu ihrem Untergang ("Vesper") ihre Bahn. Aber: Von der sechsten bis zur neunten Stunde verliert sie ihren Schein. Sogar die Natur nimmt also Anteil an dem

 

                                                           S.3-

Leiden Christi. Nur der sich zwar fortbewegende, aber dennoch tote Stunden-Zeitmesser läuft unberührt von solchen Eindrücken immer weiter.

Musikalisch-stilistische Ebenen:

1. Alttestamentliche Zitate in Luther-Deutsch (modale Akkordfolgen des Chors, Dissonanzen der Soliloquenten, auch fast „romantische“ Klänge erweiterter Tonalität, wo es um subjektive Betroffenheit geht).

2. lateinisch gesungene Psalmen der Männerchor-Schola in den Stundengebeten, deren 12-Ton-Reihe aus der Melodie des Kirchenliedes „Jesu deine Passion“ entwickelt ist.

3. Die Erzählteile sind freitonal gehalten, dazu gibt es aleatorische Partien, Sprechen, Rufen, Cluster.

 

Das Instrumentarium: Schlagzeuggruppe mit Vibraphon, Glocke, Tamtam und Rhytmusinstrumente; Solobratsche als Leitinstrument der MM, ein Streichquintett. Die Orgel ist räumlich getrennt in Positiv (Art Continuo)  und Pedal (=Gang der Sonne).

Neben Maria Magdalena (Mezzospran) ein Bariton, der sowohl die Christuspartie als auch Prophetenworte singt, 4 Soliloquenten singen“ die „Nebenpersonen“ (z.B.Judas, Pilatus)

und sind auch Gegenpart des großen Chores, der Choräle, dramatische Turba-Chöre und betrachend-kommentierende Aussagen singt- eine große Partie für einen Laienchor!

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4. Wenden wir uns nun der zweiten Komposition, der „Siebenbürgischen Passionsmusik zum Karfreitag“ von Hans Peter Türk zu:

Hans Peter Türk wurde am 27.3.1940 in Hermannstadt (Siebenbürgen) geboren, verbrachte aber seine Kindheit im nahe Kronstadt gelegenen Städtchen Zeiden. Er studierte Musikpädagogik und Komposition an der Musikhochschule in Klausenburg (Siebenbürgen). Hier war es vor allem der Casella-Schüler Sigismund Toduţă, dessen gründlicher und anregender Unterricht jene Maßstäbe setzte, die Türk auch heute noch als für sein Schaffen verbindlich betrachtet. Nach dem Examen blieb er als Lehrbeauftragter an der Musikhochschule Klausenburg. Er promovierte - als Musik-wissenschaftler - mit einer Dissertation über das Verhältnis von Harmonie und Form in den Werken Mozarts und hat zahlreiche weitere Publikationen vorgelegt. 1979 wurde ihm der George-Enescu-Kompositionspreis der Rumänischen Akademie verliehen. Als Nicht-Mitglied der kommunistischen Partei Rumäniens konnte er keine führende Position im öffentlichen Leben bekleiden. Erst 1989 wurde er zum Professor an der Musikhochschule Klausenburg ernannt. 1991 gründete er die Sigismund-Toduta-Stiftung, 1992 - in Zusammenarbeit mit der Bachakademie Stuttgart und der Neuen Bach-Gesellschaft Leipzig - die Klausenburger Bach-Akademie. 1995 wurde ihm der Johann-Wenzel-Stamitz-Preis der Künstlergilde Esslingen verliehen. Türks Werke sind nicht nur in Rumänien, sondern auch in Deutschland bereits seit längerer Zeit bekannt - auch wenn er selbst die Bundesrepublik vor 1990 nicht bereisen konnte. Neben Kammermusik- und Orchesterkompositionen sind insbesondere seine Vokalwerke mit oft christlicher Aussage und ihrem Bekenntnischarakter von Bedeutung. Er schrieb Vokal- und symphonische Werke, Film- und Kammermusik.

Für seine „Siebenbürgische Passionsmusik“ erhielt er 2007 den Preis des Rumänischen Komponistenverbandes und weitere Auszeichnungen.

Das Werk steht in der alten Tradition der Passionsmusiken Transsilvaniens; der Text setzt sich aus dem Matthäus-Evangelium, Chorälen und Psalmen zusammen, wie sie in den Gesangbüchern der lutherischen Gemeinden bis in die 60er Jahre des 20.Jh. aufgezeichnet waren und immer in der Karwoche aufgeführt wurden.

Den ersten Teil einer solchen „Passionshistorie“ nach Matthäus komponierte Rudolf Lassel (1861-1918)- nach seinem Studium am Königlichen Konservatorium zu Leipzig“- als liturgische Musik für den Gründonnerstag für Chor, Solostimmen und Orgel. Dieses Werk wurde oft aufgeführt, war aber letztlich ein Torso, weil das gesamte Karfreitagsgeschehen fehlte.

Kurt Philippi, der langjährige Leiter des Hermannstädter Bachchores, schlug seinem Freund Hans Peter Türk in Klausenburg vor, diese zweite Hälfte des vorhandenen Textes zu vertonen, in gleicher Besetzung (also nur mit Orgelbegleitung, Solisten und Chor) aber in seiner eigenen Sprache des 21. Jahrhunderts und freier Wahl der musikalischen Mittel und Ausdrucksmöglichkeiten.

                                               S.4.-

 HP Türk nahm die Herausforderung an und so entstand 2003-2006 der 2. Teil einer Siebenbürgischen Matthäuspassion. Die Einstudierung geschah in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Chr. Brödel, Dresden.

Am Karfreitag 2007 wurde die Siebenbürgische Passionsmusik in Hermannstadt (Sibiu war Kulturhauptstadt Europas) uraufgeführt. Unter der Leitung von Prof. Chr. Brödel sangen der

Hermannstädter Bachchor (Ltg. Kurt Philippi) und die Meißner Kantorei 1961. 2008 erklang die Passion in der Kreuzkirche Dresden und an weiteren Orten in Ostdeutschland. es entstand eine mehrfach mit Preisen bedachte CD-Einspielung bei Dabringhaus und Grimm.

Am 23.3.2014 wurde sie in der Ev.Stadtkirche Remscheid in Zusammenarbeit der Meißner Kantorei mit dem Chor der Ev.Stadtkirche unter Ltg. von Prof. Brödel aufgeführt. R.Forsbach spielte den Orgelpart. Wir hören heute Beispiele aus dem Live-Mitschnitt dieses Konzertes.

 

Türk selbst schreibt dazu: „Ich habe versucht, eigene Wege zu gehen, im Bemühen um Beibehalten, bzw. Weiterführen von Traditionen evangelischer Sakralmusik, wie sie uns vor allem in Bachs Werk entgegentritt. Es war nicht immer leicht, sich auf den Spuren Bachs mit angemessener Distanz zu bewegen.“ . Als Beispiel hören wir T.5  den „Barrabas“-Ruf und Anfang  des folgenden Chorals)

 

Türks Schreibweise vereint Musiktraditionen seiner Heimat, Anklänge an frühe Mehrstimmigkeit, Formen und Figurensprache des Barock (z.B. Chromatik), die jedoch erweitert und kontrapunktiert werden mit starken Dissonanzen, einer sehr eigenen, gespannten  Harmonik, aleatorischen Partien u.a.. Der Chor singt Choräle, Motetten und die Volksmenge (Turbae-Chöre); die große Tenor-Evangelistenpartie (über weite Strecken ohne Begleitung) findet zu einer neuen freitonalen Sprache mit großen Emotionen. Die Orgel mit ihren vielen Farben und ihrer Klangfülle begleitet das ausdrucksstarke Werk und hat auch einige solistische Aufgaben.

Die Textvorlage enthält keine dichterische Einlagen (z.B. Arien), es gibt einige „Ariosi“ und der Chor einige größere Motetten. Beispiel T.6  aus dem 3.Teil /Jesu Begräbnis: „Die mit Tränen säen“- Anfang).  Von siebenbürg. Einflüssen ist außer modaler Melodik und Harmonik die Heterophonie zu nennen (zwei gleiche Melodiezüge, die rhythmisch verschoben gleichzeitig erklingen), ebenso den Brauch der „Totenklage“, die wir später hören werden. Es war HP Türk ein Anliegen, auch einige ökumenische Akzente zu setzen: Einwürfe der Orgel, die rumänische (orthodoxe) Hirtenflöten suggerieren, Der Choral (evangelisch) wird auch vom Rezitieren zweier Solostimmen unterbrochen, deren Duktus einer (katholischen) Litanei gleichen sollen.

Das Werk ist in drei Teile gegliedert: I Jesu vor Pilatus – II Jesu Tod – III Jesu Begräbnis

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5. Ich möchte Ihnen nun ausgewählte Stellen der beiden Passionsvertonungen nacheinander vorstellen, in der Reihenfolge des dramatischen Verlaufs der Handlung:

 

a) zunächst die beiden unterschiedlichen Erzähler: MM mit ihrem Leitinstrument, der Viola T.7

b) und der Testo (Tenor+ Orgel) aus SP T. 8

 

c) Volksrufe T. 9  SP Barrabas (Sprechor) und MM + Hohepriester+ Soliloqu. T. 10

 

d)Kreuzige-Rufe+ „Blut“  SP T.11 // und MM  T12 (gleichzeitig) // SP T- 13 (sein Blut)

 

e) Innehalten nach Verurteilung: MM T14 (O Mensch, wo ist dein Bruder?) //

SP T15 (Herr, erbarme dich, O Haupt- Anfang)

 

f) Arie der MM T.16 (Ausschnitt) Fürwahr, er trug unsere Krankheit (Jesaja)

 

g) Kreuzigung und  Verspottung Jesu: // SP T.17 Der du den Tempel

    MM T.18 Pfui über Dich

 

h) Erdbeben: MM T. 19 Sprechchor,//SP T. 20 Reisst, ihr Felsen

 

i) Tod Jesu MM T.21  /aber Jesus schrie laut //

SP T. 22  Marias Klage (Wenn ich einmal soll scheiden- Anfang)

T.23 MM „Wo” (Klage MM)

                                                           S.6-

j) „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen”: SP T.24 Zentralstelle bei Türk, in dem der As-Dur- Klang für Jesus sich abwechselt mit dem D-Dur –Klang für Sünde und Schuld, Silbe für Silbe absteigend.  (MM T.25 auslassen)

 

k)  Danksagung: T.26 SP Choral „Ich danke dir von Herzen” (Frauenchor-Aleatorik)

     MM T.27 „Dich will ich preisen”

 

6. Zusammenfassung der beiden Passionsvertonungen

 

Beide Komponisten finden eine neue, ihnen gemäße zeitgenössische Aussagekraft der alten Texte:

 

H.Frederichs mit eigener Textzusammenstellung in verschiedenen Schichten (Evangelium, Altes Testament und Choral „Jesu deine Passion”), formal in der Form des Stundengebetes, das durch das”Exordium” eingeleitet und die „Conclusio” beschlossen wird, insgesamt 9 Teile.

Relativ Kleine Instrumentalbesetzung, die klanglich erstaunlich vielfältig eingesetzt wird.

Besonderheit: die Erzählung durch eine Frau als Testo.

 

HP Türk durch Übernahme des überlieferten Textes in den Siebenbürg. Gesangbüchern (Matthäus-Evangelium, Psalmen und Choräle) und der vorgegegebenen Besetzung nur mit Chor, Soli, Orgel.

Er setzt dennoch sehr eigene Akzente in seiner Komposition durch die freie Tonalität des Testo, die ausdrucksvollen Chormotetten- und die sich immer mehr harmonisch und meldodisch verändernden Choräle in der ihm eigenen gespannten Harmonik  - und der Aufrichtigkeit seiner Aussage.

Seine Passion ist in 3 große Teile gegliedert

 

Dabei gibt es viele Paralellen, wie wir in den Tonbeispielen hören konnten: die Dramatik der Volksszenen; betrachtende Momente des Innehaltens; die beiden ergreifenden Klagen der Maria (SP) und MM. Beiden nutzen gesprochene Chor-Stellen und aleatorische Partien. Beide Werke haben ungefähr die gleiche Dauer von ca. 75 Minuten.

 

Man darf wohl sagen, dass mit diesen beiden Passionen gültige und wegweisende neue Vertonungen  dieses traditionsreichen Teils evangelisch-musikalischer Verkündigung geschaffen wurden.

 

Hören wir  zum Abschluss meiner Ausführungen noch die berührenden letzten Stücke der beiden Passionen:

 

T.28 MM Conclusio  „ O hilf - Christe” (aus dem  Cluster in den Einklang auf das tiefe a mit den 12 Glockenschlägen)

 

T:29  SP  Choral „An dem Kreuze” mit dem Schluss „erbarme dich MEINER” (auf D-Dur, dem Klang der Sünde)- also einem persönlichen Schuldbekenntnis jedes einzelnen Menschen und der Bitte um Vergebung.

 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit

 

KMD Ruth Forsbach

 

 

 

 

 

 

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